Schäfchen im Trockenen

Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse 2019

Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive. Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste’s nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden, also gab’s nur drei Geschichten aus dem Leben ihrer Mutter, steht nicht mehr als ein Satz in deren Tagebuch. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie’s wollen oder nicht. Sie erzählt von sich, von früher, von der Verheißung eines alternativen Lebens und der Ankunft im ehelichen und elterlichen Alltag. Und auch davon, wie es ist, Erzählerin zu sein, gegen innere Scham und äußere Anklage zur Protagonistin der eigenen Geschichte zu werden.

SWR-Bestenliste Februar 2019

von der Frankfurter Rundschau gekürter Geheimtipp der Frankfurter Buchmesse 2018

Pressestimmen

Diese Suada einer Aufsteigerin ist ein Roman geworden, wie es ihn viel zu selten gibt in der deutschen Gegenwartsliteratur: Wütend, intensiv, ein Schlag in die Magengrube aller naiven Freunde der Mittelklasse, böse, witzig, getragen vom Willen zur soziologischen Genauigkeit. (Jens Bisky / Süddeutsche Zeitung)

Dass aus „Schäfchen im Trockenen“ mehr geworden ist als eine bitterböse Satire mit treffenden Dialogen, liegt an Anke Stellings Fähigkeit, den Wörtern auf den Grund zu gehen und Situationen in eine unerwartete Richtung zu schubsen. Am Ende zeigt sich sogar ein kleiner Silberstreif am Horizont [...]. Trotzdem ist Anke Stellings „Schäfchen im Trockenen“ eine rundum desillusionierende Lektüre. Und das ist gut so. (Julia Schröder / Deutschlandfunk)

In Anke Stellings Roman einer Aufsteigerin werden die starken Affekte – Wut, Zorn, Stolz – literarisch produktiv. Im Rückblick auf verlorene Illusionen entsteht eine verstörend uneindeutige, scharf belichtete Momentaufnahme der Gegenwart. (Jurybegründung zur Nominierung zum Preis der Leipziger Buchmesse)

Alltagsprosa, wütend, witzig, wunderbar erzählt. (Marcela Drumm / WDR)

Mit präziser Wut schreibt Anke Stelling über die tiefen Gräben in unserer Gesellschaft und darüber, dass immer weniger Menschen darüber entscheiden, wer zu Wort kommt und wer nicht. (Susanne Messmer / taz)

Ob Anke Stelling sich eine gelbe Weste anziehen würde? Eher nicht, dafür ist sie zu subtil, zu scharfsinnig. Aber Wut spricht dennoch aus diesem Buch. Es ist die Wut über diejenigen, die denen da unten zurufen, dass doch jeder seines Glückes Schmied sei. (SWR Bestenliste im Februar 2019)

Es ist eine leise, böse Wut, mit der Anke Stelling diesem Soziotop zu Leibe rückt. Sie ist keine Gelbweste, sie brüllt nicht, sie macht nichts kaputt, sie sieht nur gnadenlos genau hin. [...] Die Herkunft bestimmt die Zukunft. Das ist keine angenehme Erkenntnis, und Anke Stellings Buch ist keine angenehme Lektüre, aber man verschlingt dieses Buch. (Susanne Lenz / Frankfurter Rundschau)

Was Sprache anrichtet und wie sie Menschen zurichtet. Darum vor allem geht es in Stellings Roman, und das macht ihn unwägbar, ständig kippend und rasend spannend. Fast jeder Absatz eine Klippe, fast jede dahin gesagte Redewendung eine semantische Bombe, die oft erst viele Seiten - oder Generationen - später platzt. (Cosima Lutz / Berliner Morgenpost)

Beim Wohn-Vergleich wird klar: Jetzt kaufen die, die geerbt haben eine Eigentumswohnung und bleiben in den angesagten Vierteln der Stadt. Die Anderen, auch viele Ossis, sollen doch sehen, wo sie bleiben. Stelling beobachtet und seziert die sie umgebende Welt. (ZDF aspekte)

Die Erzählerin [...] spricht von großen Hoffnungen auf ein neues, unkonventionelles Leben und den Ernüchterungen im Familieneinerlei. Sehr lesenswert! (NDR - Longlist für den besten Roman 2018)

Das ist dabei so witzig und überaus geschickt erzählt, dass man die gesellschaftlichen Unwuchten spürt. (Hans-Michael Marten / MDR)

Stelling, Anke
Verbrecher Verlag
ISBN/EAN: 9783957323385
22,00 € (inkl. MwSt.)